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Medical Park Berlin Humboldtmühle
Die Versorgung von Herzinfarkt-Patienten in Berlin
Von Prof. Dr. Heinz Theres, Chefarzt Kardiologie/Innere Medizin, Vorsitzender des Berliner Herzinfarktregisters
Die Versorgung von Herzinfarktpatienten hat in den vergangenen Jahrzehnten enorme Veränderungen erfahren. So war es in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch üblich, Patienten wochenlang im Krankenhaus zu beobachten. Zu diesem Zeitpunkt konnte man aber außer der Gabe von Digitalis, Nitraten und Morphin wenig tun. Dagegen steht heute eine schnelle, zielgerichtete Diagnostik und Therapie (Wiedereröffnung des verschlossenen Infarktgefäßes). Begleitet wurde diese Entwicklung nunmehr über zehn Jahre in der mit 3,4 Millionen Einwohnern größten Stadt Deutschlands vom Berliner Herzinfarktregister (BIHR). Die Notfallversorgung in Berlin ist geprägt durch eine flächendeckende Verfügbarkeit von Rettungsmitteln. Innerhalb kürzester Zeit erreicht nach dem Stichwort „Herzinfarkt“ der Notarzt den Patienten. Sofort setzt die Behandlung ein, es erfolgt eine Erstversorgung. Im Rahmen wegweisender wissenschaftlicher Projekte hat das BHIR die Versorgung der Herzinfarktpatienten in Berlin kritisch begleitet und zur Verbesserung der Versorgungsqualität beigetragen. So wurde 1999 noch der größte Teil der Patienten einer Lysebehandlung zugeführt. Diese medikamentöse Therapie war zum Zeitpunkt der Einführung ein Fortschritt, da erstmals das Infarktgefäß aktiv wiedereröffnet wurde. In Folgestudien zeigte sich jedoch, dass die Eröffnung mittels Herzkatheter (Ballon und Stent) noch erfolgreicher war, getreu dem Motto: das Bessere ist der Feind des Guten. Diese Veränderung wurde auch in Berlin aufgenommen und führte dazu, dass in den letzten Jahren praktisch alle Patienten mit Herzinfarkt zeitnah in ein Herzkatheterlabor gebracht wurden und dort das verschlossene Infarktgefäß wiedereröffnet wurde. Dies und die Optimierung der Begleittherapie führten zu einer Absenkung der Krankenhaussterblichkeit von 12,2 auf 6,2 Prozent. Des Weiteren widmet sich das BHIR den Fragen: Wie wird Versorgungsqualität gemessen? Gibt es die Möglichkeit Krankenhäuser zu vergleichen? In diesem Zusammenhang wurden wegweisende Analysen in Kooperation mit Prof. Wegscheider durchgeführt. Er zeigte eindringlich, dass es nicht reicht festzustellen, in welchem Krankenhaus wie viele Patienten mit einem akuten Herzinfarkt verstorben sind und daran ein Krankenhausranking aufzuziehen. Es muss korrigiert werden für das individuelle Risiko der Patienten, denn es spielt eine große Rolle für den Ausgang der Behandlung, ob der Patient „nur“ einen Herzinfarkt hatte oder auch schwerwiegende Begleiterkrankungen aufwies. Erst diese differenzierte Betrachtung macht die Leistung der Einrichtungen vergleichbar. Aktuell erfährt das BHIR aufgrund seiner qualitativ hochwertigen Analysen und der kontinuierlichen nun über zehn Jahre dauernden Arbeit eine besondere Wertschätzung: Das Bundesministerium für Forschung und Technologie beabsichtigt ein Projekt des BHIR und der AOK zu fördern, in dem verglichen wird, wie Versorgungsqualität am besten gemessen werden kann. Dieses bundesweit einmalige Projekt wird wichtige Hinweise zur Frage liefern, wie zukünftig die Versorgungsqualität in Deutschland gemessen werden soll.
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Prof. Dr. med. Heinz Theres ist Facharzt für Innere Medizin und hat die Teilgebietsbezeichnung Kardiologie sowie die Zusatzbezeichnung Internistische Intensivmedizin erworben. Seit vielen Jahren engagiert er sich in Berlin im Bereich der kardiologischen Qualitätssicherung. Er ist Gutachter für angesehene wissenschaftliche Zeitschriften, leitet multizentrische Studien und ist an maßgeblicher Stelle in internationale Kooperationen – beispielsweise mit den USA und mit Russland – eingebunden.
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