Medical Park Bad Wiessee St. Hubertus
Mobiler Gangtrainer zur Verbesserung der Gangqualität
Von Prof. Dr. med. Thomas Horstmann und Dr. rer. nat. Torsten Brauner, Technische Universität München Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaft, Fachgebiet Konservative und Rehabilitative Orthopädie
Bevor sich Menschen für einen Gelenkersatz durch operativen Einsatz entscheiden, leiden sie oftmals viele Jahre an Schmerzen in dem betroffenen Gelenk. In dieser Zeit gewöhnen sie sich zur Schmerzvermeidung Schon- und Vermeidungshaltungen an, die das Gangbild auch nach der Operation, wenn Schmerz und Bewegungseinschränkungen wieder beseitigt sind, noch nachhaltig prägen. Da sich asymmetrische Schonhaltungen im Gangbild jedoch negativ auf den Bewegungsapparat auswirken, haben Erkennung und Abbau dieser Schonhaltungen sowie die Wiederherstellung eines symmetrischen Gangbildes Priorität in der Rehabilitation. Trainingsprogramme, manuelle Therapien und Krankengymnastik unterstützen die Patienten dabei, indem sie ihnen helfen ihre ursprüngliche Beweglichkeit wiederzuerlangen, ihre Muskulatur aufzubauen und ihre Koordinationsfähigkeit zu verbessern. In einem vom Bundesinstitut geförderten Forschungsprojekt in Kooperation mit der Abteilung Sportmedizin an der Universitätsklinik Tübingen, der Technischen Universität München sowie der Firma Humotion, Münster, konnte bereits ein Sensorsystem zur Erfassung der Gangsymmetrie entwickelt werden. Das Sensorsystem wird mit einem Gürtel am Becken des Patienten befestigt und ist auf Grund seines geringen Gewichts und Größe keinerlei Beeinträchtigung. Dank Batterieversorgung und integriertem Datenaufzeichnungsmodul arbeitet das Sensorsystem trotz seiner geringen Größe völlig autonom, für Langzeituntersuchungen könnte es sogar mehrere Tage am Patienten verbleiben. Zur Beurteilung der Gangqualität werden Beschleunigungsdaten direkt im Gerät ausgewertet und auf links-rechts Symmetrie überprüft. In einer Studie zur Entwicklung der Gangsymmetrie innerhalb der Anschlussheilbehandlung zeigte die Forschergruppe um Professor Dr. med. Thomas Horstmann, dass die Gangsymmetrie eine Woche nach der Operation noch deutlich reduziert ist. In den anschließenden Wochen der Anschlussheilbehandlung zeigt die Therapie ihre Wirkung und die Gangsymmetrie verbesserte sich nachweislich kontinuierlich von Woche zu Woche. Dennoch, und hier stehen weitere Untersuchungen an, zeigen die Patienten vier Wochen postoperativ noch nicht wieder das Niveau einer gesunden und altersgleichen Kontrollgruppe. Interessanterweise zeigten die Männer und Frauen unterschiedliche Heilungsverläufe. Während die Frauen bereits mit einer höheren Gangsymmetrie in die Anschlussheilbehandlung starteten und dann lediglich geringe Fortschritte erzielten, konnte die Männer ihr niedriges Ausgangsniveau innerhalb der drei Wochen Klinikaufenthalt auf ein vergleichbaren Stand steigern. Patienten sollen während ihres Klinikaufenthalts und nach der Anschlussheilbehandlung möglichst viel Rückmeldungen über die Qualität ihres Gangbildes erhalten, um symmetrische Bewegungsmuster im Gangbild zu festigen, lautet das nächste Forschungsziel zusammen. Dazu hat die Forschergruppe bereits das Sensorsystem um ein Feedbackmodul erweitert, das den Patienten beim Gehen per Vibration regelmäßig über die Gangsymmetrie informiert. Damit sollen die Patienten in die Lage versetzt werden, eigenständig ihr Gangbild zu trainieren und somit zu verbessern. Der Gangtrainer ist mittlerweile so weit entwickelt, dass wir in diesem Sommer in einer klinischen Studie die Effektivität überprüfen werden. Zeigen die Forschungsergebnisse die erhofften Ergebnisse, sollen die Gangtrainer den Patienten in der Klinik zur Verfügung stehen, so dass die Patienten eigenständig mit ihnen trainieren können. Dadurch können sie selbstgesteuert objektives Feedback zu ihrem Gangbild einholen, ihren Entwicklungsverlauf dokumentieren und ihren Therapieplan individuell mit Gangtrainingseinheiten erweitern. Bereits seit Oktober 2009 bietet die Klinik Medical Park Bad Wiessee St. Hubertus eine Kontrolluntersuchung („TEP-TÜV“) an, die es ½ - 1 Jahr nach Beendigung der Rehabilitation ermöglicht, nach wie vor vorhandene Defizite im Gang- und Bewegungsmustern zu erkennen. Geeignete Gegenmaßnahmen werden aufgrund dieser Daten mit den Physiotherapeuten und Sportlehrern umgehend erlernt und eingeübt.
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