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Medical Park Berlin Humboldtmühle

Kleine Magnete unterstützen die gelähmte Hand




Von Prof. Dr. med. Stefan Hesse, Dr. Cordula Werner, I. Melzer, Anita Bardeleben

Essen mit Besteck besitzt einen hohen Stellenwert im Alltag. Vielen Patienten mit einer ein- oder beidseitigen Lähmung (Parese) der Hand ist dies jedoch nicht mehr möglich. Abhilfe versprechen hier kleine Magneten, die die Greiffunktion der betroffenen Hand unterstützen.
Patienten mit Lähmungen aller vier Gliedmaßen, z.B. nach Schädigung des Halsmarks oder mit einer Multiplen Sklerose (MS), setzen Hilfsmittel wie Griffverdickungen, gebogenes Besteck und eine Handschlaufe ein. Sie erfordern in den ersten beiden Fällen jedoch ein aktives Greifen, oder werden im Falle der Handschlaufen als ästhetisch wenig ansprechend empfundenen. Der halbseitig gelähmte Patient weicht trotz wiedererlangter Funktionen meist auf die nicht-betroffene Seite aus, die Gefahr des erlernten Nichtgebrauchs droht.
Kleine, aber sehr kräftige Magnete bieten eine neue Alternative. Bekannt waren bisher in die Haut eingenähte Magnete oder magnetische Orthesen, um Gegenstände aufzuheben. Die kleinen Magnete werden jedoch auf die Finger geklebt, so dass die Patienten ferromagnetisches Besteck halten können. Mit einer Tragkraft von 600 bis 1200 g behindern sie auf Grund ihrer Dimensionen (6mm Durchmesser und 3mm Höhe) die Besteckführung nicht. Für das Halten eines Löffels oder einer Gabel werden zwei Magnete auf der Höhe des Endgelenks des 3. Fingers und auf die Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger geklebt. Geeignete Patienten sollten das Handgelenk stabilisieren und die Gabel zum Mund führen können. Eine ausgeprägte Parese der Fingerflexoren ist kein Ausschlusskriterium, die Magnete gleichen die fehlende Griffkraft aus. Die Stärke der Magnete richtet sich zum einen nach der Schwere des Bestecks, zum anderen nach der noch vorhandenen Griffkraft der Patienten. Soll sogar ein Messer geführt werden, so werden drei Magnete eingesetzt, einer auf den Mittel- oder Zeigefinger, ein zweiter auf den Daumen und ein dritter in den Handballen, die Anforderungen an die Stabilität und Kraft des Handgelenks sind höher als für Gabel und Löffel. Eine Handgelenkschiene kann das Handgelenk zusätzlich stabilisieren und die Schulterkinematik während des Essens optimieren helfen.
Die Kosten eines Magnetes: etwa 0,25 Euro.

 
 
 
 

Prof. Dr. med. Stefan Hesse ist Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Neurologische Rehabilitation. Er besitzt die Zusatzqualifikationen Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation und Arzt für Sozialmedizin. Im Mai 2009 wurde er auf die W2-Professur für Neurologische Rehabilitation an der Charité Universitätsmedizin Berlin berufen. Prof. Dr. med. Stefan Hesse machte sich vor allem durch die Entwicklung neuer Therapieverfahren zur Behandlung von Patienten nach Schlaganfall einen Namen. Hervorzuheben sind unter anderem die Einführung der Lokomotionstherapie mit Hilfe des Laufbandes mit partieller Körpergewichtsentlastung, des Gangtrainers, sowie des Armtrainers Bi Manu Track. Mit dieser Therapie werden die Genesungschancen von Schlaganfallpatienten wesentlich verbessert.
 
 
 

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