Medical Park Loipl
... und plötzlich kann man sich nichts mehr merken ...
Von Simone Paschon, Leiterin Neuropsychologie
Loipl. Die meisten Menschen haben in ihrem Alltag bereits die Erfahrung gemacht, dass sie Erledigungen vergessen haben, den Schlüssel nicht mehr finden oder dass ihnen partout der Name eines bestimmten Schauspielers nicht einfällt. Doch kann man in diesen Fällen bereits von einer Störung des Gedächtnisses sprechen? Im Regelfall nicht, da praktisch kein Gedächtnis perfekt ist und gewisse ‚Fehlleistungen’ normal sind.
Eine Definition für ‚das Gedächtnis’ an sich ist schwer zu formulieren. Unter den Oberbegriff „Gedächtnis” fallen eine Vielzahl an Prozessen und Systeme, die häufig erst dann in ihrer Selbstständigkeit auffallen, wenn sie in ihrer Funktion gestört sind. Allgemein verbindet man mit dem Begriff ‚Gedächtnis’ die Fähigkeit, sich Informationen zu merken und abzurufen. Nun stellt sich natürlich die Frage, ab wann man von einer Gedächtnisstörung sprechen kann. Die Abgrenzung zwischen alltäglichen Fehlleistungen und einer Störung des Gedächtnisses kann nicht klar vorgenommen werden und variiert von Person zu Person. Es gilt dabei immer die Leistungen vor der Erkrankung bzw. Verletzung sowie das Alter der Person zu berücksichtigen. Dem Neuropsychologen steht heute eine Vielzahl an Tests zur Verfügung, mit deren Hilfe auf die Funktion der einzelnen Gedächtniskomponenten geschlossen werden kann. Eine Störung ist immer dann zu vermuten, wenn die Gedächtnisleistung deutlich schlechter als vor dem Ereignis und / oder gegenüber der Vergleichspopulation (Menschen gleichen Alters, gleicher Bildung) ist.
Gedächtnisstörungen sind mit die häufigsten Beeinträchtigungen nach einer Verletzung des Gehirns. Art und Ausprägung der Störung weisen dabei jedoch ein starkes Streuungsspektrum auf. Je nach Lokalisation der Verletzung können unterschiedliche Prozesse des Gedächtnisses beeinträchtigt sein. So kann es zu Störungen des unmittelbaren Merkens, der Lernleistung (auch bei mehrfacher Wiederholung) als auch des Abrufens und Wiedererkennens von Information kommen. Meistens können sich die Betroffenen keine neue Information mehr merken, das heißt, die neuen Informationen können auf Grund der Störungen nicht mehr in den Langzeitspeicher eingespeichert werden. In diesen Fällen spricht man von einer anterograden Amnesie. In selteneren Fällen kann es aber auch vorkommen, dass Informationen, die vor dem Ereignis gespeichert worden sind, nicht mehr abgerufen werden können bzw. verloren sind, also das Altgedächtnis betroffen ist. Hierbei spricht man von einer retrograden Amnesie.
Da sich Gedächtnisstörungen nur selten wieder vollständig zurückbilden, ist das Erlernen von Kompensationsstrategien zur Verminderung der Auswirkung der Gedächtnisstörung im Alltag mit dem Ziel der größtmöglichen Selbstständigkeit und Autonomie des Betroffenen unumgänglich. In der Klinik Medical Park Loipl erfassen die Psychologen mithilfe standardisierter Tests die Art und Ausprägung der Beeinträchtigung. Im weiteren Verlauf der Behandlung werden gemeinsam mit dem Patienten, je nach Störungsprofil, individuell mögliche Bewältigungsstrategien erarbeitet.
Sowohl für die Betroffenen selbst, als auch für die Angehörigen sind die Akzeptanz und der Umgang mit dieser neuen Situation oft ein sehr schwieriger und langwieriger Prozess.
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