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Pressemeldung: OVB vom 23. Februar 2010

Neues Bettenhaus befürwortet


Bernau - Im Medical Park Chiemsee in Bernau-Felden wird ein weiteres Bettenhaus gebaut. Zwei Wochen nach Vorstellung der Pläne und nach einer 75-minütigen, zum Teil hitzig geführten Diskussion einigten sich die Freiberger Holding und der Gemeinderat Bernau auf einen Kompromiss. Mit zwölf Ja- und acht Nein-Stimmen segnete das Gremium das Konzept ab.

Danach werden nördlich der bestehenden Häuser "Kampenwand" und "Chiemsee" ein 50 Betten fassendes Gebäude für Privatpatienten und ein Therapiepavillon darunter errichtet. Außerdem wird der bestehende Therapiebereich im nördlichen Anbau von "Chiemsee", dem ehemaligen "Fischerstüberl", dreiseitig um jeweils fünf Meter erweitert. Ein unterirdischer Gang verbindet das Haus "Kampenwand" mit dem neuen, erdgeschossigen Pavillon, von dem aus wiederum verglaste Gänge zum Haus "Chiemsee" und dem neuen Bettenhaus führen.
Auf den ursprünglich auch noch geplanten, 40 Betten fassenden Ostflügel hat die Freiberger Holding verzichtet. Er hatte, wie es Bürgermeister Klaus Daiber in der vorangegangenen Sitzung formuliert hatte, wegen seiner Seenähe in allen Fraktionen "Bauchschmerzen" bereitet (wir berichteten). Deshalb warteten Projektleiter Dr. Konstandinos Dikeos und Martin Straßer, Chef der Planungsgruppe Straßer und Partner, Traunstein, nun mit dieser Kompromisslösung auf.
Bürgermeister Daiber eröffnete die Aussprache mit der Bemerkung, er begrüße den aktualisierten Plan, schlage aber vor - was der Gemeinderat dann auch beschloss -, das neue Bettenhaus um vier, fünf Meter weiter nach Süden zu verschieben, um so die Fläche zum See zu vergrößern - ein Ansinnen, dem sich Straßer nicht verschließen wollte, auch wenn es die "Sichtachsen" zu wahren gelte.
Zimmer mit Blick auf den See
Wesentlich weiter ging der erneut von Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) vorgebrachte Vorschlag, das Bettenhaus viel weiter nach Süden, nördlich der alten Tennishalle zu platzieren. Dem widersprach aus wirtschaftlichen Gründen sogleich Hartmut Hain, der Vorsitzende des Vorstandes der Medical Park AG, die als Tochterunternehmen der Freiberger Holding auch die Klinik in Felden betreibt. Zimmer ohne freien Seeblick seien weniger attraktiv und stießen auch bei den Krankenkassen auf wenig Gegenliebe. Der Vorstandsvorsitzende erinnerte, dass die vorgesehenen Zimmer für Privatpatienten auch von Kassenpatienten in Anspruch genommen werden, die eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben.
Hain machte deutlich, dass seine Firma durchaus gewillt sei, den Wünschen der Bernauer entgegenzukommen: indem sie auf "massive Baukörper" verzichte, indem sie ihre Pläne für die Erweiterung von zunächst 86 auf 50 Betten abgespeckt habe. Im Übrigen sprächen ästhetische Gründe für den vorgeschlagenen Standort, da sonst der parkähnliche Charakter der Anlage litte. Der Ärztliche Direktor Dr. Marcus Schmitt-Sody: "Ich verstehe nicht, warum die Fläche im Süden verbaut werden soll."
Dem wiederum wollten Georg Bauer und Philipp Bernhofer (beide Bernauer Liste, BL) nicht folgen. Während Bauer grundsätzlich "Hoppla-Hopp"-Pläne ablehnte und sich dafür aussprach, die Flächen um das "Fischerstüberl" nicht zu bebauen, erinnerte Bernhofer daran, dass sich der Gemeinderat im März 1998 gegen "weitere Kapazitäten" auf dem Gelände ausgesprochen habe. Es gelte, die Erholung für alle zu erhalten. Hansjörg Decker (auch BL) lehnte den weiteren Bau mit den Worten ab, er habe zwar "nichts gegen den Expansionsdrang" der Klinik, doch wolle er nicht "gegenüber den Nachkommen für das Gebäude geradestehen". Ursula Zeitlmann (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte es einerseits, dass die Freiberger Holding Arbeitsplätze schaffe, doch biete der vorgesehene Standort der Öffentlichkeit zu wenig Seeblick, sei mithin "schlicht falsch". Und Eduard Wierer (Überparteiliche Wählergemeinschaft) befand, der Gemeinderat sei "verpflichtet", eine Erweiterung nicht zuzulassen - wenn aber, dann nur im Süden. Deshalb sein Vorschlag, einen Beschluss noch einmal zu vertagen.
Christian Hügel (CSU) konnte und wollte die Argumente der "Ablehnungsfront" nicht verstehen. "Wir können froh sein, ein Unternehmen zu haben, das die Zahl der Arbeitsplätze um 170 bis 200 verdoppelt, einen wirtschaftlichen Aufschwung bringt und für immerhin 60 bis 70 Prozent der Übernachtungen in der Gemeinde sorgt." Bei diesem Projekt gehe es darum, einen Ausgleich der Interessen der privaten und öffentlichen Seite zu finden. "Unterm Strich" sei dies gelungen, weil dem Wunsch der Gemeinde entsprechend das östliche Gebäude gestrichen worden sei. Um ein "politisches Signal" zu setzen, brachte er, gemeinsam mit seinem Fraktionskollegen Rainer Wicha, einen ergänzenden Beschluss ein, der über die zwölf Stimmen von CSU und SPD auch die von Ursula Zeitlmann erhielt.
Donat Praßberger (CSU) machte sich wegen der hinzukommenden Arbeitsplätze ebenfalls für das neue Bettenhaus stark. Und: "Wer den See sehen will, hat Möglichkeiten genug." Sein Fraktionskollege Gerhard Jell ergänzte: "So viel freie Sicht wie jetzt gab es noch nie." Zur Zeit seiner Kindheit sei das gesamte Gebiet noch voller Schilf gewesen. Würde, wie von der Gegenseite gefordert, das neue Haus im Süden entstehen, entstünde ein regelrechter "Korridor".
Wilhelm Weitzel (SPD) gab dem neuen Haus am vorgesehenen Standort seinen Segen, zumal die Straße im Süden künftig nicht mehr die freie Fläche durchschneidet, sondern links an ihr vorbeiführt. Zudem sprach er sich für die ursprüngliche Situierung aus. Und Fraktionskollege Alexander Herkner meinte: "Das Ostgebäude ist weg, das Seeufer wird nicht zerstört, damit kann ich leben."
Zum Schluss wurde der Genghammer-Antrag mit 13 zu sieben Stimmen abgelehnt, mit 18 zu zwei der der SPD, auf eine Verschiebung des neuen Bettenhauses zu verzichten, während der der CSU, der eine Verschiebung um fünf Meter vorsieht, mit zwölf zu acht Stimmen nun auf den Weg gebracht wird.

mt/Chiemgau-Zeitung


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