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Pressemeldung: 30. Juli 2009
Armrehabilitation nach Schlaganfall:
Erfolg versprechende neue Therapieansätze
Berlin. Nach einem Schlaganfall leiden 80 Prozent der Patienten unter einer Armparese. Bei einer schwergradigen Armparese, bei der der Patient lediglich Schulter und Ellenbogen bewegen kann, die Hand dagegen plegisch ist, liegt die Wahrscheinlichkeit der Wiederherstellung einer alltagsrelevanten Handfunktion nach sechs Monaten bei lediglich fünf Prozent. Um dieses Ergebnis zu verbessern, haben wir für die Behandlung intelligente Maschinen und Roboter entwickelt, die wir im Schlaganfallzentrum der Klinik Medical Park Berlin Humboldtmühle und in der Klinik Medical Park Bad Rodach mit Erfolg einsetzen. Dabei stellt die obere Extremität mit ihren vielen Freiheitsgraden – erinnert sei nur an die drei Gelenke der Finger – eine besondere Herausforderung dar.
Aus der Beobachtung, dass das spiegelbildliche Üben die betroffene Seite fazilitiert, entstand der computergestützte Armtrainer Bi-Manu-Track. Der Patient übt bilateral zwei Bewegungen,entweder eine Pro-Supination der Unterarme oder eine Flexion/Extension der Handgelenke. Die Ausführung der Bewegung kann spiegelbildlich oder parallel erfolgen. Zwei Antriebe ermöglichen unterschiedliche Therapiemodi, sei es rein passiv oder dass die nicht betroffene die betroffene Seite führt, beziehungsweise, dass beide Seiten gemäß ihren Fähigkeiten die Bewegung unterstützen. In einer ersten klinischen Studie im Rahmen der stationären Frührehabilitation hat sich gezeigt, dass die Patienten mit dem Bi-Manu-Track 800 Wiederholungen während einer Therapieeinheit übten, wohingegen die herkömmliche Elektrostimulation nur 60 bis 80 Handgelenkstreckungen zuließ. Anhängige Variable waren die motorische Kontrolle sowie die Kraft der oberen Extremität.
Die Patienten waren allesamt schwer betroffen. Beide Gruppen waren vor Therapiebeginn vergleichbar. Nach der sechswöchigen Intervention zeigte sich ein signifikant überlegenes Ergebnis in der experimentellen Gruppe. Dies betraf sowohl die Funktion der Schulter als auch der Hand. In einer gepoolten Analyse aller kontrollierten Studien zur robotergestützten Armrehabilitation war die Effektstärke dieser Studie eine der größten, was für den gewählten bilateral-distalen Ansatz einerseits und für das hochintensive Üben andererseits spricht.
Derzeit entwickeln wir einen Fingertrainer, bei dem eine angetriebene Nockenwelle die Finger asynchron bewegt. Zusätzlich werden die Fingerbeeren taktildynamisch durch die sich drehende Rolle und mittels Vibration stimuliert. Ziel ist eine sensomotorische Rehabilitation der Finger. Eine andere Überlegung ist die Kombination der Geräte mit einer Hirnstimulation. Durch die zeitgleiche periphere und zentrale Stimulation soll die Neuroplastizität gefördert werden. Die Rehabilitation der schwerbetroffenen oberen Extremität ist zweifellos eine große Herausforderung. Die gerätegestützte Rehabilitation, gegebenenfalls in Kombination mit einer zentralen Hirnstimulation, ist dabei ein Weg, der Patienten hoffen lässt.
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