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Pressemeldung: 01. Juli 2009
Anforderungen an die Alltagsmobilität Berliner Schlaganfallpatienten hoch - Schlaganfall-Allianz unterstützt lückenlose Betreuung von der Stroke Unit bis zur Versorgung zu Hause
Berlin. Jedes Jahr erleiden ca. 200.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Nach drei Monaten ist noch etwa ein Drittel der Patienten auf den Rollstuhl angewiesen, und bei 80 Prozent der weiteren Patienten sind Ganggeschwindigkeit und Ausdauer deutlich reduziert. Die Wiederherstellung der Steh- und Gehfähigkeit ist somit primäres Ziel der Rehabilitation im Schlaganfallzentrum der Klinik Medical Park Berlin Humboldtmühle, insbesondere vor dem Hintergrund der angestrebten beruflichen und sozialen Wiedereingliederung.Mit dem konsequenten Einsatz der Lokomotionstherapie in Kombination mit der Physiotherapie können deutliche Fortschritte erzielt werden. Nach einer jüngsten Erhebung erreichen ca. 85 Prozent aller Schlaganfallpatienten das Ziel, selbstständig gehfähig die Klinik zu verlassen. Trotz dieses positiven Ergebnisses ergab eine Nachuntersuchung, dass die Patienten in Berlin ihre Wohnung kaum verließen. Neben der Furcht vor Stürzen und fehlenden Aufzügen in vielen Berliner Häusern gaben die Patienten insbesondere zu hohe Anforderungen an die Alltagsmobilität als einen möglichen Grund an. Davon ausgehend, wurde eine Studie erarbeitet, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.
Ermittelt werden sollte, welche Ganggeschwindigkeiten ein Patient erreichen muss, um 60 in Berlin zufällig ausgewählte Straßen während der Grünphase bzw. während der Grün- und Rotphase zu überqueren. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die Patienten an der Bordsteinkante stehen bleiben, bis die Fußgängerampel erneut auf grün wechselt. Der zweite Teil der Untersuchung überprüfte, wie viele der U-Bahnhöfe der beiden am häufigsten benutzten Linien U2 und U7 über keinen Lift bzw. über keine Rolltreppe verfügen. Die Ergebnisse zeigten, dass im Mittel eine Ganggeschwindigkeit von 0,9 m/s (3,2 km/h) erforderlich war, um die Straßen in Berlin während der Grünphase zu überqueren. In der Grün- und Rotphase erlaubte eine minimale Ganggeschwindigkeit von 0,66 m/s (2,4 km/h) das Überqueren von ca. 90 Prozent der untersuchten Ampeln. Von der Linie U 2 hatten 29 Bahnhöfe weder Lift noch Rolltreppe, es waren im Mittel 25 Stufen zu überwinden. Des Weiteren zeigte sich eine erhebliche Variabilität in den Ampelschaltungen, auch abhängig von der Tageszeit, so dass die Schlussfolgerung berechtigt scheint, dass der rollende Verkehr im Wesentlichen die Ampelschaltungen bestimmt.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Anforderungen in Berlin für viele Schlaganfallpatienten zu hoch sind. Denn nur wenige Patienten erreichen eine Ganggeschwindigkeit von 0,9 m/s. Sie sind somit auf die Grün- und Rotphase zum Überqueren der Ampel angewiesen. Das rote Ampelmännchen und der drängende Verkehr jedoch sind Angstfaktoren. Dasselbe trifft auf die zum Teil sehr hohen Bordsteinkanten zu. Es ist nicht zu erwarten, dass die Ampelschaltungen Berlins geändert werden. Vielmehr werden wir im Rahmen des Schlaganfallzentrums der Klinik Medical Park Berlin Humboldtmühle versuchen, unsere Patienten noch besser auf die Alltagsmobilität vorzubereiten. Entsprechende Möglichkeiten dafür sind das aerobe Laufbandtraining, das sich in Anlehnung an die kardiologische Rehabilitation ideal eignet, die Ganggeschwindigkeit, Ausdauer und kardiovaskuläre Fitness der Patienten zu steigern. Für jeden Patienten individuell wird eine trainingswirksame Pulsfrequenz festgelegt, die er auf dem Laufband zu erreichen hat. Dafür werden zeitgleich die Geschwindigkeit des Laufbandes und die Steigung erhöht. Zweite Maßnahme ist der konsequente Einsatz des ADL-Parcours. Hier kann der Patient bereits in der Klinik das Überqueren der Straße an einer Ampelanlage trainieren. In einem dritten Schritt werden die Patienten in therapeutischer Begleitung die Klinik verlassen und in der Praxis das Überqueren der Straße und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel üben.
Die Studie leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgungsforschung des chronischen Schlaganfallpatienten zu Hause. Dieser Ansatz deckt sich mit den Zielsetzungen des Schlaganfallzentrums in der Klinik Medical Park Berlin Humboldtmühle und denen der Berliner Schlaganfall-Allianz von Klinik und Charité, die eine lückenlose Betreuung der Schlaganfallpatienten von der Stroke Unit bis hin zur Versorgung zu Hause anstreben.
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